Mit den 5 Elementen durchs Jahr – das Element Erde: die Dojo-Zeit und der Spätsommer

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Nach dem strahlenden Sommer, nach den langen Tagen voller Begegnung und Lebendigkeit, kommt etwas, das zu den kostbarsten Phasen des gesamten Jahreskreises gehört: das Element Erde in der TCM. Die Rückkehr zur Mitte.

In diesem Beitrag erkunden wir die vielfältigen Aspekte des Erde-Elements. Ich erkläre dir, welche zwei Varianten es im TCM-Jahreskreis gibt, wo ich meinen persönlichen Schwerpunkt setze und warum. Gemeinsam gehen wir auf Entdeckungsreise durch alle Entsprechungen dieses so grundlegendenen und zentralen Elements. Mit Akupressurpunkten, Ernährungstipps, einer Yin Yoga Empfehlung und natürlich Yang Sheng Impulsen für den Alltag um im Einklang mit dieser nährenden Energie zu leben.

Zwei Varianten der Erd-Energie

Bevor wir richtig eintauchen, möchte ich kurz etwas erklären, das oft für Verwirrung sorgt: Das Element Erde lässt sich im TCM-Jahreskreis auf zwei verschiedene Arten verorten.

Variante 1: Die Erde als 5. Jahreszeit

In dieser Version bekommt das Erde-Element einen eigenen festen Platz im Jahreszyklus, als eigenständige Jahreszeit zwischen Sommer und Herbst: der sogenannte Spätsommer. Zeitlich liegt diese Phase etwa von Anfang August bis Mitte September. Es ist die Zeit der Ernte und des goldenen Lichts. Wer schon einmal einen warmen Augustabend auf einem Feld erlebt hat, wo die Luft schwer und süß riecht und die Sonne tief steht und die Welt in honigfarbenes Licht taucht, der kennt diese ganz eigene, erdige Stimmung. Diese Variante ist klassisch und weit verbreitet und sie hat ihre ganz eigene Schönheit.

Variante 2: Die Erde als Dojo-Zeit – mein persönlicher Favorit

Es gibt aber noch eine zweite, meiner Meinung nach stimmigere Sichtweise: Das Element Erde ist das verbindende Zentrum, um das alle anderen Elemente kreisen. Die Erde ist die Mitte, und als solche taucht sie viermal im Jahr auf, nämlich immer dann, wenn eine Jahreszeit zu Ende geht und die nächste beginnt. Diese Übergangsphasen werden als Dojo-Zeit bezeichnet und dauern jeweils etwa 18 Tage. In dieser Variante bildet das Element Erde einen energetischen Puffer zwischen den anderen vier großen Wandlungsphasen Holz, Feuer, Metall und Wasser.

So ergibt sich ein Jahreskreis, den ich sehr einleuchtend finde:

  • Dojo-Zeit Vorfrühling -Februar – Übergang von Wasser zu Holz, von Winter zu Frühling
  • Frühling – Holz – März und April
  • Dojo-Zeit Frühsommer – Mai – Übergang von Holz zu Feuer, von Frühling zu Sommer
  • Sommer – Feuer – Juni und Juli
  • Dojo-Zeit Spätsommer – August – Übergang von Feuer zu Metall, von Sommer zu Herbst
  • Herbst – Metall – September und Oktober
  • Dojo-Zeit Spätherbst – November – Übergang von Metall zu Wasser, von Herbst zu Winter
  • Winter – Wasser – Dezember und Januar

Und dann beginnt der Zyklus von vorne.

Diese Variante ist mein Favorit, weil sie etwas sehr Wahres über das Leben sagt: Wir brauchen die Mitte nicht nur einmal im Jahr. Wir brauchen sie immer wieder. Nach jedem großen Aufbruch, nach jeder Phase voller Strahlen und Wachsen und Loslassen brauchen wir einen Moment der Rückkehr zu uns selbst, wo wir verdauen, integrieren und uns neu ausrichten können. Eine Zeit um uns zu zentrieren und wieder zurück in die Balance zu finden. Das ist das Erde-Element, die Mitte, das Zentrum, das alle Jahreszeiten miteinander verbindet und zusammenhält. Und genau deshalb setze ich in diesem Beitrag den Schwerpunkt auf die Dojo-Zeit als Ausdruck des Erde-Elements – ohne die klassische Variante des Spätsommers außer Acht zu lassen, denn auch sie hat ihre eigene Qualität.

Das Element Erde und seine Entsprechungen

Erde steht für Stabilität, Fürsorge und die Fähigkeit, sowohl Nährstoffe als auch Erfahrungen zu assimilieren. Es repräsentiert das Zentrum, das Gleichgewicht und die Harmonie, die alles verbindet. Wie bei allen Elementen in der 5-Elemente-Lehre zieht sich das Muster der Erde durch viele Ebenen des menschlichen Lebens. Lass uns Schicht für Schicht hineintauchen.

Organsysteme: Milz und Magen

Das Erde-Element ist eng mit den Organen Milz und Magen verbunden. Diese Organe spielen eine entscheidende Rolle bei der Verdauung und Assimilation von Nahrung und Informationen. Die Milz (Pi) ist verantwortlich für die Umwandlung von Nahrung in Energie (Qi) und Blut, während der Magen (Wei) die Aufnahme und Verdauung von Nahrung unterstützt. Den beiden Organsystemen des Erde-Elements kommt in der TCM eine zentrale Bedeutung zu, die weit über ihre physiologische Funktion hinausgeht.

Der Magen ist das Yang-Organ. Er nimmt auf: Nahrung, Erfahrungen, Eindrücke. Er ist das erste große Verarbeitungszentrum, der Ort, an dem das Äußere auf das Innere trifft. In der TCM spricht man davon, dass der Magen das Qi nach unten leitet – eine gesunde, geerdete Abwärtsbewegung, die für die weitere Verdauung notwendig ist. Wenn der Magen aus dem Gleichgewicht gerät, steigt das Qi auf (Aufstoßen, Übelkeit, Sodbrennen) ein Zeichen dafür, dass wir etwas nicht oder nur schwer verdauen können oder wollen.

Die Milz ist das Yin-Organ und in der TCM die eigentliche Schlüsselinstanz für die gesamte Verdauung. Sie transformiert das, was der Magen aufgenommen hat, in Qi und Blut, und damit in reine Lebensenergie. Die Milz ist also der Verwandler, der Alchemist der Körpermitte. Was sie verarbeitet, ist nicht nur das Essen auf unserem Teller, sondern auch alles, was wir gedanklich und emotional aufnehmen: Informationen, Eindrücke, Sorgen, Grübeleien, Gefühle. Eine belastete Milz zeigt sich nicht nur in Verdauungsbeschwerden, sondern auch im endlosen Gedankenkarussell, im Nicht-loslassen-Können, im geistigen Versumpfen. Die Milz liebt Wärme, Regelmäßigkeit und leichte Kost. Sie leidet unter Kälte, Rohkost, Überarbeitung und chronischem Stress. Und sie liebt es, wenn wir zur Ruhe kommen und ihr Zeit geben, das Leben auf allen Ebenen zu verdauen.

Die Farbe: Gelb und Ocker

Die Farbe des Erde-Elements ist Gelb in all seinen warmen Tönen von hellgoldenem Mais bis hin zu tiefem Ocker. Es ist die Farbe des reifen Getreides, des spätsommerlichen Lichts, der fruchtbaren Erde. Gelbe Lebensmittel, warme Farbtöne in der Kleidung oder im Wohnraum resonieren mit der Energie des Erde-Elements und unterstützen die Mitte.

Der Geschmack: Süß

Dem Element Erde ist der süße Geschmack zugeordnete. Damit ist nicht Industriezucker gemeint, sondern die natürliche, milde Süße von Getreide, Wurzelgemüse, Hülsenfrüchten und reifem Obst. Denke hier zB an Kürbis, Möhren, Süßkartoffeln, Linsen, Hirse, Äpfel und Birnen, Datteln – DAS ist die Nahrung der Mitte. Diese Art von Süße nährt die Milz und stärkt das Qi.

Das Klima: Feuchtigkeit (Shi)

Der pathogene Klimafaktor, der dem Erde-Element zugeordnet ist, ist die Feuchtigkeit. Eine zu feuchte Umgebung genauso wie zu viel schwere, feuchte Nahrung in Form von Milchprodukte in Übermaß, fettreichen Speisen, Alkohol und weißem Zucker kann die Milz belasten und zu dem führen, was die TCM als Feuchtigkeitsansammlung bezeichnet. Wenn du dich also in der Übergangszeit oder im Spätsommer häufig müde, träge oder gedanklich vernebelt fühlst, dann lohnt es sich, die Feuchtigkeit im Blick zu behalten, sowohl im Außen als auch in der Ernährung.

Körpergewebe: Muskeln und Bindegewebe

Das Erde-Element regiert die Muskeln und das Bindegewebe. Eine gut genährte Milz zeigt sich in guter Muskelkraft und einem stabilen Körperzentrum. Wer häufig unter Muskelschwäche, Erschöpfung oder einem Gefühl von Schwere in den Gliedern leidet, trägt oft ein Milz-Qi-Defizit mit sich. Sanfte, regelmäßige Bewegung anstelle von Extremsport nährt die Milz und stärkt die Mitte.

Sinnesöffnung: Mund und Lippen

Der Mund ist die Sinnesöffnung des Erde-Elements, die Lippen sein äußerer Spiegel. Blasse, rissige oder trockene Lippen können in der TCM auf eine geschwächte Milz hinweisen. Der Mund steht für Aufnahme und Ausdruck: was wir essen, was wir sagen, wie wir uns mitteilen. Ein harmonisches Erde-Element äußert sich in einer angenehmen, ruhigen Sprache und einem gesunden Appetit.

Körperflüssigkeit: Speichel

Dem Erde-Element ist der Speichel als Körperflüssigkeit zugeordnet. Zu wenig Speichel (trockener Mund) oder zu viel (übermäßiger Speichelfluss) können auf ein Ungleichgewicht der Mitte hinweisen. Auch das bewusste Kauen, also das gründliche, achtsame Zerkleinern der Nahrung, beginnt im Mund und ist eine der einfachsten und wirkungsvollsten Formen, die Milz zu unterstützen.

Der Klang: Singen

Das dem Erde-Element zugeordnete Klangereignis ist das Singen. Menschen mit viel Erdenergie haben oft eine singende, melodiöse Stimme. Wenn das Element Erde aus dem Gleichgewicht gerät, zeigt sich das manchmal auch in einer leichten Tendenz, beim Sprechen in einen klagenden oder monoton Ton zu verfallen. Eine wunderbare Übung für die Mitte ist das Singen. Es verbindet Atem, Körperzentrum und Ausdruck auf eine Weise, die ganz organisch erdend wirkt.

Der Geist der Erde: Yi – das Denken und Reflektieren

Jedes Element hat in der TCM einen zugeordneten Geist-Aspekt (Shen). Beim Erde-Element ist es der Yi, der für das Denken und das Reflektieren steht, und für die Fähigkeit, Erfahrungen zu verarbeiten. Ein gesunder Yi zeigt sich in einer guten Konzentrationsfähigkeit, einem klaren, ruhigen Geist und der Fähigkeit, Dinge zu verarbeiten und weiterzugehen. Wenn der Yi aus dem Gleichgewicht gerät, neigt der Mensch zu exzessivem Grübeln, endlosem Gedankenkreisen, einer Art mentaler Klebrigkeit, bei der man Gedanken und Sorgen immer wieder von vorne durchkaut, ohne wirklich weiterzukommen. Das ist ein sehr verbreitetes Muster in unserer Zeit: der überdrehte, überforderte Geist, der sich im Denken verliert. Die Dojo-Zeiten sind eine direkte Einladung, den Yi zu beruhigen: durch bewusstes Innehalten, Journaling, Meditation, Bewegung in der Natur, wärmende Nahrung und echte Ruhe.

Emotionale Aspekte: (Für)Sorgen, Mitgefühl und die Kraft der inneren Stille

Mitgefühl und Fürsorglichkeit sind die Emotionen, die mit dem Erde-Element assoziiert werden. Ein ausgeglichener Erde-Zustand fördert Geduld und innere Ruhe. Bei einem Ungleichgewicht können Sorgen und Grübeleien auftreten. Die dem Erde-Element zugeordnete Emotion ist das Sorgen (Si) das Grübeln, das Kümmern, das Kreisen um das Ungewisse. In Maßen ist diese Qualität wertvoll. Sie ermöglicht Fürsorge, Vorausplanung, Mitgefühl. Im Übermaß aber zehrt das Sorgen an der Milz, verbraucht das Qi und verhindert, dass wir wirklich im Moment ankommen.

Die emotionale Stärke des Erde-Elements liegt in der Fähigkeit zur inneren Stille, zur Geduld und zu echtem Mitgefühl, sowohl für andere als auch für sich selbst. Der Übergang zwischen zwei Jahreszeiten ist genau der richtige Moment, um alte Sorgen bewusst loszulassen: Was davon ist wirklich noch relevant? Was darf ich jetzt verdauen und gehen lassen?

Zwei hilfreiche Akupressurpunkte für die Dojo-Zeit und den Spätsommer

Akupressur, also das Stimulieren von Akupunkturpunkten ohne Nadeln, sondern durch sanften Druck mit den Fingerkuppen, ist eine wunderbar einfache Möglichkeit, das Qi zu unterstützen und den Energiefluss im Körper zu harmonisieren. Für den Spätsommer bzw für die Dojo-Zeiten und das Element Erde möchte ich dir die beiden folgenden Punkte ganz besonders ans Herz legen:

Milz 6 (MP 6) – Sanyinjiao: Treffpunkt der drei Yin

Sanyinjiao – der „Treffpunkt der drei Yin“ – liegt an der Innenseite des Unterschenkels, etwa vier Fingerbreit oberhalb des Innenknöchels, direkt hinter dem Schienbein. An diesem Punkt treffen sich die drei Yin-Meridiane des Beins: Milz, Leber und Niere. Er stärkt gleichzeitig alle drei zugehörigen Organsysteme, fördert die Verdauung, nährt das Blut, unterstützt die Schlafqualität und wirkt harmonisierend auf das emotionale Erleben. In der Übergangszeit, wenn der Körper zwischen zwei Energien pendelt, ist er eine wahre Stütze.

Achtung: Dieser Punkt bitte NICHT während der Schwangerschaft verwenden!

So wendest du ihn an: Setze Daumen oder Zeigefinger an die Innenseite des Unterschenkels, vier Fingerbreit über dem Innenknöchel, und drücke sanft, aber bestimmt in Richtung Schienbein. Halte 1–2 Minuten oder massiere in kreisenden Bewegungen und wechsle dann die Seite. Ideal abends, vor dem Schlafengehen.

Magen 36 (MA 36) – Zusanli: Die drei Meilen des Fußes

Zusanli ist einer der kraftvollsten Punkte der gesamten TCM, denn er gilt als der große Tonikum-Punkt schlechthin. Er liegt etwa vier Fingerbreit unterhalb der Kniescheibe, eine Fingerbreite neben dem Schienbein außen. Dieser Punkt stärkt das Qi und die Mitte, unterstützt die Verdauung, stärkt das Immunsystem und wirkt bei Erschöpfung, Müdigkeit, Überforderung und allgemeiner Schwäche. Traditionell wurde er sogar als „Langlebigkeitspunkt“ bezeichnet und tatsächlich zeigt die moderne Forschung, dass er breite systemische Wirkungen hat. In der Übergangszeit ist Zusanli ein idealer Begleiter: Er nährt die Mitte, wenn sie durch den Wandel beansprucht wird, und hilft, die neue Energie stabil aufzunehmen.

So wendest du ihn an: Drücke mit dem Daumen oder Zeigefinger fest auf den Punkt, vier Fingerbreit unterhalb der Kniescheibe, ca einen Finger breit außen. Kreisende Massagebewegungen verstärken die Wirkung. Halte oder massiere 1–2 Minuten pro Seite.

Yin Yoga in Übergangszeiten: Ankommen in der Mitte

Für die Dojo-Zeit und das Element Erde empfehle ich die Yin Yoga Haltung Butterfly (Schmetterling), auch bekannt als Baddha Konasana in ihrer passiven, gehaltenen Yin-Variante.

In dieser Haltung setzt du dich auf den Boden, bringst die Fußsohlen zusammen und lässt die Knie locker nach außen sinken. Der Rücken rundet sich leicht, der Oberkörper gibt ganz entspannt nach vorne und unten nach, ohne hier irgendwas erzwingen zu wollen. Nutze gerne ein Bolster zur Unterstützung. Die Hände bzw Unterarme liegen auf den Füßen oder dem Boden oder sie umfassen dein Bolster. Der Kopf hängt locker oder du legst ihn auf das Bolster ab.

Diese Haltung dehnt sanft und tief die Innenseite der Oberschenkel und Leisten, wo der Milz- und Lebermeridian verläuft. Sie öffnet den Bauchraum, unterstützt die Verdauungsorgane und wirkt tief entspannend auf das Nervensystem. Das Loslassen in die Schwerkraft, das buchstäbliche sich hingeben an den Boden, ist eine körperliche Metapher für die Qualität der Dojo-Zeit: Ankommen, verdauen, mehr und mehr loslassen.

Verweile für 3–5 Minuten im Schmetterling und lass mit jedem Ausatemzug ein bisschen mehr los, sowohl gedanklich als auch körperlich.

Eine Alternative für Menschen mit empfindlichen Hüften oder Knien ist die Haltung Reclining Butterfly (Liegender Schmetterling): auf dem Rücken liegend, Fußsohlen zusammen, Knie fallen sanft nach außen, Arme locker ausgebreitet. Eine der entspannendsten Haltungen des gesamten Yin-Repertoires.

Ernährung in der Dojo-Zeit und im Spätsommer

Die Mitte zu nähren steht in der TCM immer zentral, aber in der Dojo-Zeit ist es besonders sinnvoll, darauf zu achten, denn sie ist der Ort, von dem aus wir Energie sammeln und transformieren.

Was der Mitte gut tut:

Die Milz liebt warme, gekochte, leicht verdauliche Speisen. Suppen, Eintöpfe, gedünstetes Gemüse, Getreidebreie. Alles, was schon einen Teil der Verdauungsarbeit übernommen hat, bevor es den Mund erreicht unterstützt die Milz. Gelbe und orange Lebensmittel sind besonders willkommen: Kürbis (einer der großen Milz-Freunde der TCM), Süßkartoffeln, Karotten, Mais, Hirse und Polenta. Auch frischer Ingwer, ab und zu etwas Zimt und Kardamom als wärmende Gewürze unterstützen die Mitte auf sanfte Weise. Besonders in der Übergangszeit empfehle ich, mehr warme Mahlzeiten einzuplanen, auch wenn der Sommer noch nachwirkt. Die Mitte dankt es dir mit Energie, Klarheit und einem stabilen Verdauungsfeuer.

Was eher weniger hilfreich ist:

Rohkost in großen Mengen, eisgekühlte Getränke und Speisen direkt aus dem Kühlschrank belasten die Milz, weil sie Wärme verbrauchen, die sie eigentlich für die Transformation braucht. Zucker und stark verarbeitete Lebensmittel erzeugen Feuchtigkeit im System und schwächen die Milz langfristig. Auch übermäßiges Grübeln beim Essen, Bildschirm, Nachrichten, stressige Gespräche am Tisch gelten in der TCM als schädlich für die Verdauung, weil der Yi (der Denkgeist) dann die Milz-Energie für sich beansprucht.

Eine kleine Küchen-Idee: Ein warmes Kürbis-Ingwer-Süppchen mit einem Schuss Kokosmilch und ein paar gerösteten Kürbiskernen on top, dazu warme Hirse oder Polente mit etwas Butter ist pure Milz-Nahrung. Einfach, warm, golden, nährend.

Yang Sheng in der Dojo-Zeit

Yang Sheng – die Lebenspflege, oder: das Nähren des Lebens – bekommt in der Dojo-Zeit eine ganz eigene Qualität. Es geht weniger ums Tun, Ausdehnen oder Weitergehen, sondern viel mehr ums Verdauen und Integrieren.

Innehalten und reflektieren
Die Dojo-Zeit ist eine natürliche Einladung zur Rückschau. Welches Geschenk hielt die vergangenen Jahreszeit für mich bereit? Was habe ich gelernt, erlebt, gespürt? Was gilt es jetzt zu integrieren und/oder loszulassen, bevor das nächste Element das Ruder übernimmt? Ein Tagebuch oder eine Seasons-Liste kann hier wunderbar helfen. Ich nutze solche Listen für mein eigenes Jahresmanagement und ich LIEBE sie.

Regelmäßigkeit und Struktur
Die Milz liebt Rhythmus, zB in Form von festen Essenszeiten, regelmäßigem Schlaf und täglichen Routinen. Das klingt vielleicht unspektakulär, ist aber eines der wirksamsten Mittel, um die Mitte zu stärken. Gerade wenn wir aus einer intensiven Sommerphase kommen, tut uns ein bisschen mehr Struktur sehr gut.

Sanfte Bewegung in der Natur
Spazierengehen, vlt sogar barefuß, Gartenarbeit, sind Formen von Bewegung, die uns erden, beruhigen und buchstäblich mit dem Element Erde verbinden. Das stärkt die Milzenergie auf ganz natürliche Weise.

Gedanken zur Ruhe bringen
Grübeln, endloses Analysieren, To-do-Listen durchgehen – das ist der Feind der Mitte. Meditation, Atemübungen, Yin Yoga, ein ruhiger Morgen ohne Smartphone, also alles, was den Yi zur Ruhe bringt, ist in der Dojo-Zeit besonders wertvoll.

Sich selbst nähren, nicht nur andere
Das Erde-Element hat eine Tendenz zur Selbstvergessenheit in der Fürsorge für andere. Die Dojo-Zeit ist ein expliziter Reminder auch auf dein eigenes „gut Genährtsein“ zu achten. Was gibt dir gerade wirklich Kraft? Was nährt deine eigene Mitte?

Zusammenfassung: Die Erde und die Geschenke der Übergangszeiten

Das Element Erde in der TCM lädt uns ein, Stabilität und Fürsorglichkeit in unserem Leben zu fördern, besonders in Übergangsphasen. Indem wir die Qualitäten von Balance, Geduld und innerer Ruhe kultivieren, können wir ein harmonisches Gleichgewicht zwischen Körper und Geist erreichen. Durch eine bewusste Ernährung, regelmäßige Bewegung und Selbstreflexion können wir das Element Erde und damit unsere Mitte stärken.

Ohne eine gesunde Mitte kann kein anderes Element wirklich erblühen. Ohne die Fähigkeit zu verdauen und zu integrieren, verpuffen die Impulse des Frühlings, die Wärme des Sommers, die Klarheit des Herbstes und die Tiefe des Winters. Die Dojo-Zeiten sind das Geschenk des Erde-Elements an den Jahreskreis: viermal im Jahr bekommen wir die Gelegenheit anzuhalten, zu verdauen und uns zu sammeln. Nutzen wir diese Phasen, um uns zu nähren und wieder in Balance zu kommen, damit wir mit Stabilität sowie innerer Ruhe und Ausgeglichenheit in die Zukunft schreiten können.

Wenn du die Impulse dieses Beitrags in deinen Alltag mitnehmen möchtest, dann vielleicht mit diesen Fragen:

  • Was aus der vergangenen Jahreszeit möchte ich bewusst verdauen und integrieren?
  • Wo brauche ich in meinem Leben gerade mehr Stabilität und Erdung?
  • Wie sorge ich gut für mich selbst – nicht nur für andere?
  • Was nährt meine Mitte wirklich?
  • Welche Gedanken oder Sorgen darf ich jetzt loslassen?

Ausblick auf das nächste Element: Metall

Nach dem Feuer des Sommers und nach der Erdung und Integration der Dojo-Zeit widmen wir uns im nächsten Beitrag dieser Reihe ganz dem Element Metall, dem Herbst, den zugehörigen Funktionskreisen Lunge und Dickdarm sowie der tiefen Kunst des Loslassens. Ich freue mich, wenn du dabei bist. Bis dahin: komm zurück in deine Mitte und genieße den Spätsommer und die Übergangszeit.

Dieser Beitrag ist Teil der Blogreihe „Mit den 5 Elementen durchs Jahr“. Die Reihe beginnt mit dem Überblick über die 5 Elemente und dem TCM Jahreskreis. Danach folgt der Beitrag über das Element Feuer.


Hinweis: Alle Inhalte in diesem Beitrag dienen der allgemeinen Information und ersetzen keine medizinische Beratung oder Behandlung. Bei gesundheitlichen Beschwerden wende dich bitte an eine Ärztin, einen Arzt oder Heilpraktiker:in. Vielleicht findest du da auch jemanden, der/die TCM praktiziert. 🙂


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