Mit den 5 Elementen durchs Jahr – das Element Feuer: der Sommer

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Der Sommer ist da. Die Tage sind lang und voller Tageslicht. Die Welt draußen brodelt vor Lebendigkeit. Das kleine Yang des Frühlings hat uns mit dem Element Holz in Bewegung gebracht, hat inspirierende Impulse gesät, Aufbruch und Wachstum angeregt. Ideen sind entstanden, Pläne wurden geschmiedet, Neues keimte auf. Und nach der Übergangsphase, der Dojo-Zeit, befinden wir uns nun im im großen Yang des Sommer und damit im Element Feuer. Das ist eine Zeit der Fülle, der Begegnung und des prallen freudigen Lebens. Das, was im Frühling begann zu sprießen, gedeiht nun zur vollen Blüte und ganzen Pracht.

In diesem Beitrag tauchen wir gemeinsam tief in das Element Feuer ein, in seine Qualitäten, seine Entsprechungen, seine Stärken und Herausforderungen. Zudem erfährst du, welche Akupressurpunkte gerade besonders wertvoll sind, welche Yoga Haltungen in diese Jahreszeit passen, wie du dich im Sommer ernähren und pflegen kannst und was der Begriff Yang Sheng damit zu tun hat. Los gehts!

Das Feuer im Jahreskreis: die Zeit des großen Yang

In der 5-Elemente-Lehre der TCM folgt jede Wandlungsphase einem Rhythmus, der ebenso die äußere Natur beschreibt, wie auch unser inneres Erleben widerspiegelt. Das Feuer-Element ist dabei die Phase, in der das Yang seine stärkste Ausprägung erreicht. Deshalb wird der Sommer auch das große Yang genannt. Die Energie des Feuers bewegt sich nach oben und außen, in die Expansion und Sichtbarkeit. Wenn bei uns am 21. Juni der Sommer grad erst eingeläutet wird, ereicht diese Energie, durch die Brille der TCM betrachtet, ihren Zenit.

Im TCM Jahreskreis beginnt der Sommer (nach der Variante mit Dojo-Zeiten, die ich persönlich bevorzuge) Mitte Mai und erstreckt sich bis Ende Juli um dann im August in die Dojo-Zeit des Spätsommers zu münden. Die Sommersonnenwende Ende Juni liegt dabei genau im Herzen des Sommers. Sie ist der energetische Scheitelpunkt, von dem aus das Yang bereits wieder langsam zu sinken beginnt, und mehr und mehr das Yin Einkehr hält, auch wenn wir das jetzt noch kaum spüren.

Das Element Feuer und seine Entsprechungen

Wenn wir von einem „Element“ in der TCM sprechen, ist eine Art dynamisches Netz aus Entsprechungen gemeint, das sich sowohl durch die Natur als auch durch alle Ebenen des menschlichen Daseins und Erlebens zieht: durch den Körper, die Psyche, die Emotionen, die Sinne, die Ernährung, die Beziehungen. Feuer ist dabei eines der vielschichtigsten und faszinierendsten Elemente überhaupt. Lass uns Schicht für Schicht hineinschauen.

Zunächst einmal steht das Element Feuer für Energie und Lebensfreude. In Bezug auf menschliche Lebensphasen können wir es mit der Pubertät gleichsetzen. Es ist eine Zeit der Kommunikation und des fast schon jugendlichen Leichtsinns. Die passende Tageszeit ist der Mittag, wenn die Sonne am höchsten steht.

Organsysteme: Herz, Dünndarm, Perikard und Dreifacher Erwärmer

Das Feuer ist in der TCM das einzige Element, dem nicht zwei, sondern vier Organe zugeordnet sind, jeweils zwei Yin- und zwei Yang-Organe. Das allein sagt schon viel über die besondere Tiefe und Komplexität dieses Elements aus.

Das Herz (Xin) ist das erste Yin-Organ innerhalb des Feuer-Elements und nimmt im System der TCM eine übergeordnete Rolle ein. Es gilt als „Kaiser“ aller Organe, als Hüter des Geistes und des Bewusstseins. In der TCM ist das Herz weit mehr als nur eine Pumpe für das Blut. Es ist das Zentrum des Shen, des Geistes, des bewussten Erlebens. Wenn das Herz-Qi fließt und das Herzblut stark ist, fühlen wir uns innerlich beheimatet, klar im Kopf und offen im Kontakt mit anderen.

Der Dünndarm (Xiao Chang) ist das dem Herzen zugeordnete Yang-Organ. Aus TCM-Sicht ist seine Aufgabe weit mehr als die körperliche Verdauung. Er sortiert, sowohl auf körperlicher Ebene als auch im übertragenen Sinne, das „Reine vom Unreinen“. Der Dünndarm hilft uns, zu unterscheiden, was uns nährt und was wir loslassen können. Wer also häufig im Kopf zu viel sortiert, grübelt oder Schwierigkeiten hat, wichtige von unwichtigen Informationen zu trennen, könnte sich dem Dünndarm-Meridian zuwenden.

Das Perikard (Xinbao), auch Herzmeister oder Herzbeutel genannt, ist das zweite Yin-Organ des Feuers. Es umhüllt das Herz wie ein schützender Mantel und steht für die Verbindung zur Außenwelt. Das Perikard reguliert, wie viel Nähe wir zulassen, wie tief wir uns in Beziehungen einlassen, wo unsere Grenzen im Kontakt mit anderen liegen. Im Sommer, in einer Zeit, in der Begegnung und Gemeinschaft besonders eingeladen sind, ist ein gesundes Perikard Gold wert, denn es erlaubt echte Tiefe im Kontakt, ohne dass wir zu verlieren.

Der Dreifache Erwärmer (San Jiao) ist das dem Perikard zugeordnete Yang-Organ und meinem Empfinden nach das abstrakteste der vier Feuer-Organe. Er hat kein physisches Äquivalent in der westlichen Anatomie, sondern beschreibt in der TCM ein Funktionssystem, das den freien Fluss von Qi, Wärme und Flüssigkeiten im gesamten Körper koordiniert und zwar in den drei Erwärmungsbereichen (oberer, mittlerer und unterer Erwärmer/Körper). Auf einer feineren Ebene steht der Dreifache Erwärmer für die Fähigkeit, zwischen innerer und äußerer Welt zu vermitteln, soziale Wärme zu regulieren und das System als Ganzes im Gleichgewicht zu halten.

Farbe: Rot

Die Farbe des Feuers ist rot: leuchtend, warm, leidenschaftlich. In der TCM steht Rot für Lebendigkeit und Herzblut, wörtlich wie metaphorisch. Rote Lebensmittel, rote Kleidung, rote Blüten – all das resoniert in der Sommersaison besonders stark mit der Feuerenergie. Kein Wunder, dass wir uns im Sommer instinktiv zu tiefroten Beeren, reifen Tomaten, zur Wärme des Abendlichts und traumhaften Sonnenuntergängen hingezogen fühlen.

Klima: Hitze (Shu)

Der dem Feuer zugeordnete Klimafaktor ist die Hitze. In der TCM gilt äußere Hitze als ein potenzieller pathogener Faktor, der bei übermäßiger Einwirkung das Herz und den Geist belastet. Zu viel Hitze kann den Shen stören und sich in Form von Unruhe, Schlaflosigkeit oder Reizbarkeit äußern. Wer ohnehin zu viel innerem Feuer neigt, also zB zu Herzrasen, roten Wangen, Hitzewallungen oder Schlafproblemen, sollte der Sommerhitze mit besonderer Achtsamkeit begegnen.

Körpergewebe: Blutgefäße

In der TCM regiert das Herz das Blut und die Blutgefäße. Gesundes Herzblut zeigt sich in einem klaren Teint, guter Durchblutung, einem ruhigen Geist und lebhaften Augen. Ist das Herzblut geschwächt, können Blässe, Schwindel, Herzpalpitationen oder auch emotionale Leere auftreten. Im Sommer ist es daher besonders sinnvoll, blutnährende Lebensmittel in den Alltag zu integrieren.

Sinnesöffnung: Zunge

Das Herz öffnet sich zur Zunge. Das erklärt aus TCM-Sicht, warum Menschen, die unter eine Ungleichgewicht im Funktionskreis Herz leiden, oft Sprach- oder Ausdrucksprobleme entwickeln können. Das zeigt sich vlt in Stottern, Wortfindungsstörungen oder in Form von einem übermäßig raschen, ungefilterten Sprechen. Die Zunge, speziell die Zungenspitze, ist der Spiegel des Herzens, und ihr Zustand (Farbe, Feuchtigkeit, Beschaffenheit) ist in der Zungendiagnose der TCM ein wichtiges diagnostisches Werkzeug.

Körperflüssigkeit: Schweiß

Schweiß ist dem Herz zugeordnet. Übermäßiges Schwitzen, insbesondere Nachtschweiß, kann aus TCM-Sicht auf eine Schwäche des Herzbluts oder des Herz-Yin hinweisen. Im Sommer schwitzen wir naturgemäß mehr. Das ist gesund und regulierend. Zu intensives, anhaltend starkes Schwitzen jedoch verbraucht Herz-Yin und wertvolle Körperflüssigkeiten.

Klang: Lachen

Jedes Element äußert sich in einem bestimmten Klang oder Lautausdruck. Beim Feuer ist es ein echtes Lachen aus tiefstem Herzen. Im Gleichgewicht lachen Feuer-Menschen viel und stecken andere damit an. Bei überschießendem Feuer kann dieses Lachen aber auch unangemessen werden, unpassend, unkontrolliert, als könnte die innere Energie nicht anders nach außen als übers Lachen. Bei einem Feuer-Mangel hingegen fehlt das Lachen fast gänzlich. Menschen wirken dann kalt, distanziert, emotional flach.

Der Geist des Herzens: der Shen

Der Geist-Aspekt des Feuer-Elements ist der Shen. Aus der TCM-Sicht ist er einer der bedeutendsten Aspekte überhaupt, denn er steht für nichts Geringeres als unser Bewusstsein, unsere Geisteskraft, unsere Fähigkeit zur inneren Klarheit und zur Präsenz im Moment. Der Shen wohnt im Herzen. Er ist das, was wir als Funkeln und Leuchten in den Augen wahrnehmen. Wenn der Shen klar und genährt ist, zeigt sich das in Besonnenheit, Freude, Kreativität, einem lebhaften Geist und einer tiefen inneren Ruhe, die trotz äußerer Aktivität spürbar bleibt.

Der Shen braucht Stille, um sich zu sammeln und er entfaltet sich in echter Verbindung: im Gespräch, im Kontakt, in Momenten echter Begegnung. Ein gestörter Shen äußert sich vielschichtig. Schlafstörungen sind ein klassisches Zeichen, denn der Shen soll nachts ins Herz zurückkehren und dort ruhen. Wenn er das nicht kann, dann kreisen unsere Gedanken, wir grübeln, es herrscht innere Unruhe und wir schlafen schlecht. Auch Ängstlichkeit, Vergesslichkeit, emotionale Instabilität, ein Gefühl von innerer Leere oder im Gegenteil ein manisches Überdrehen können auf einen gestressten Shen hinweisen.

Im Sommer ist es besonders wichtig, den Shen zu pflegen, denn diese Jahreszeit lädt einerseits zur Lebendigkeit ein, andererseits birgt genau diese intensive Yang-Energie die Gefahr der Überreizung. Der Shen braucht beides: das Feuer des Lebens UND die kühlende, sammelnde Stille.

Die Emotion des Feuers: Freude

Die dem Feuer zugeordnete Emotion ist die Freude (Xi). Das klingt zunächst unkompliziert. Freude ist doch etwas Schönes! Und ja, in Balance ist Freude eine belebende Kraft, die das Herz öffnet, verbindet und den Shen nährt.

Die TCM unterscheidet jedoch sehr fein. Zu viel aufgepeitschte, überstimulierte oder erzwungene Freude, wie sie etwa durch permanente Reizüberflutung, exzessive Feierlichkeiten oder das Gefühl entstehen kann, immer „happy“ sein zu müssen, schadet dem Herzen. Diese Art von Überfreude zerstreut den Shen, laugt das Herzblut aus und erzeugt auf lange Sicht innere Leere. Auf der anderen Seite des Spektrums steht der Feuer-Mangel. Menschen, denen das Feuer fehlt, haben Schwierigkeiten, echte Freude zu empfinden. Sie fühlen sich leer, kontaktscheu, emotional abgeschnitten. Begegnungen kosten Energie, anstatt zu nähren.

Das Feuer in Balance zeigt sich also nicht als permanent laute überschwengliche Freude, sondern eher als stille, tiefe Herzensfreude. Als echte Wärme, die von innen kommt und im Kontakt mit anderen aufblüht, ohne sich darin zu verlieren. Zur ausgewogenen Feuerenergie gehören auch Liebe, Mitgefühl und die Fähigkeit zur tiefen Verbindung sowohl zu anderen Menschen, als auch zu sich selbst. Der Sommer ist eine einladende Zeit, diese Qualitäten bewusst zu kultivieren und zu leben.

Zwei hilfreiche Akupressurpunkte für den Sommer

Akupressur, also das Stimulieren von Akupunkturpunkten ohne Nadeln, sondern durch sanften Druck mit den Fingerkuppen, ist eine wunderbar einfache Möglichkeit, das Qi zu unterstützen und den Energiefluss im Körper zu harmonisieren. Für den Sommer und das Element Feuer möchte ich dir zwei Punkte buchstäblich besonders ans Herz legen. Das Herz-Duo für den Sommer: Shenmen beruhigt den Geist und Yongquan erdet die Kraft des Feuers. Gemeinsam bilden sie eine schöne kleine Routine, um in der intensiven Yang-Zeit des Sommers präsent, offen und gleichzeitig verwurzelt zu bleiben.

Herzmeridian 7 (HE 7) – Shenmen: Das Tor des Geistes

Shenmen, auf Deutsch „Tor des Geistes“, ist einer der bekanntesten und wertvollsten Punkte. Er liegt auf der Innenseite des Handgelenks, am ulnaren (kleinfingerseitigen) Ende der Handgelenksbeugefalte, genau dort, wo man eine kleine Delle spürt, wenn man das Handgelenk leicht anwinkelt.

Shenmen ist der Quellen-Punkt (Yuan-Punkt) des Herzmeridians. Er beruhigt den Shen, klärt den Geist, löst Herzunruhe und hilft bei Schlafstörungen, Herzpalpitationen, Angstzuständen und emotionaler Überreizung. In der Sommerzeit, wenn äußere Reize und soziale Aktivitäten sich häufen, ist dieser Punkt ein treuer Begleiter.

So wendest du ihn an: Setze die Daumenspitze der anderen Hand sanft, aber bestimmt auf den Punkt. Halte den Druck für ein bis zwei Minuten, atme dabei tief und gleichmäßig. Du kannst den Punkt auch kreisförmig massieren. Ideal am Abend vor dem Einschlafen, nach einem aufregenden Tag oder immer dann, wenn du Herzrasen oder innere Unruhe spürst.

Niere 1 (KI 1) – Yongquan: Die sprudelnde Quelle

Yongquan liegt an der tiefsten Stelle des gesamten Körpers: in der kleinen Mulde an der Fußsohle, die entsteht, wenn du die Zehen einrollst. Dieser Punkt zieht überschüssiges Feuer nach unten und verankert dich mit dem Boden. Das ist im Sommer besonders wertvoll, denn die Herzenergie strebt von Natur aus nach oben und außen und darüber ins Strahlen, ins Tun, in die Begegnung. Ohne eine stabile Wurzel kann dich diese Energie zerstreuen und ins Ungleichgewicht kippen. Du fühlt sich den ganzen Tag aufgedreht und liegst nachts trotzdem wach. In der TCM sagen wir dann, Herz und Niere haben die Verbindung zueinander verloren. Yongquan hilft, diesen Kontakt wiederherzustellen, indem er das Feuer sanft erdet.

So wendest du ihn an: Setze die Daumenspitze auf die Mulde an der Fußsohle und halte mit deutlichem, aber angenehmem Druck. Besonders abends tut dieser Punkt sehr gut, nach den beiden Punkten am Handgelenk.

Yin Yoga im Sommer: Herzöffner für das Feuer

Auch in der Yin Yoga Praxis können wir den Jahreszeiten und ihren Elementen begegnen. Für das Feuer-Element empfehle ich die Haltung Anahatasana, auch bekannt als „Schmelzendes Herz“ oder Extended Puppy Pose. Diese Haltung öffnet sanft und tief den Brustkorb, die Schultern und die Herzregion und zieht dabei den Herz- und Perikard-Meridian, die beide auf der Innenseite der Arme verlaufen, in eine wunderbar öffnende Dehnung. Gleichzeitig wirkt sie durch die Umkehrposition des Oberkörpers leicht kühlend, was perfekt zur Sommersaison passt.

So kommst du in die Haltung:

Beginne im Vierfüßlerstand. Die Hüften bleiben über den Knien, während du mit den Händen nach vorne gehst und deine Brust langsam in Richtung Boden absinken lässt. Die Stirn oder das Kinn ruhen auf der Matte. Du kannst die Arme ausstrecken oder die Unterarme auf die Matte legen, je nachdem, was sich angenehmer anfühlt. Halte die Position 3–5 Minuten, atme tief und bewusst in die Brust und spüre, wie sich der Herzraum mit jedem Atemzug ein bisschen mehr öffnet.

Eine Alternative für Menschen mit empfindlichen Schultern ist Sphinx oder Seal. Diese beiden Haltungen dehnen den Herzmeridian sanft auf der Vorderseite des Körpers und aktivieren den Nierenmeridian als Verwurzelung für die nach außen treibende Feuerenergie.

Ernährung im Sommer

Die TCM-Ernährung ist keine Diät, sondern eine Einladung, das zu essen, was dem Körper zur jeweiligen Jahreszeit wirklich nützt. Im Sommer lautet das Prinzip: leicht, frisch, kühlend, ohne dabei zu extrem ins Kalte zu kippen, denn auch das schadet dem Yang, UND ein bisschen bitter darf es sein.

Der Geschmack des Feuer-Elementes: Bitter

Jedes Element hat in der TCM einen zugeordneten Geschmack, der das entsprechende Organsystem unterstützt und reguliert. Beim Feuer-Element ist es der bittere Geschmack. Bitteres kühlt, leitet Hitze nach unten und klärt, was ideal ist für die heiße Jahreszeit. Denk an Radicchio, Rucola, Chicorée, grünen Tee oder Löwenzahn. In Maßen konsumiert, pflegt der bittere Geschmack das Herz-Qi und wirkt erdend inmitten der aufgewühlten Sommerenergie. Dunkle Schokolade und Kaffee sind auch bitter, aber gleichzeitig thermisch warm und daher eher semi empfehlenswert für den Sommer. Du kannst aber zB einen Kaffee zu deinem Eis trinken und damit die kühlende Wirkung ausgleichen.

Was jetzt gut tut:

Saisonales Gemüse und Obst in leuchtenden Farben: Tomaten, Paprika, Gurken, Zucchini, Wassermelone, Erdbeeren, Himbeeren und Pfirsiche versorgen den Körper mit Flüssigkeit und kühlen die Hitze. Bittersalate wie Rucola, Radicchio, Chicorée oder Löwenzahn unterstützen das Herz und fördern die Verdauung. Leichte Hülsenfrüchte wie Linsen oder Kichererbsen (als Salat zubereitet), Tofu und Sommerfisch liefern Protein ohne zu schwer zu belasten. Grüner Tee und Pfefferminztee, leicht abgekühlt getrunken, sind aus Sicht der TCM willkommene Begleiter. Sie kühlen moderat und unterstützen den Geist. Chrysanthementee gilt in der chinesischen Heilkunde übrigens als besonders gut für das Herz und die Augen.

Was eher maßvoll bleiben darf:

Sehr scharfes Essen heizt den Körper zusätzlich auf und sollte im Hochsommer in Maßen genossen werden. Eiskalte Getränke und Speisen aus dem Kühlschrank sind in der TCM umstritten. Sie mögen sich im ersten Moment erfrischend anfühlen, belasten aber die Verdauung und das Milz-Qi. Ein angenehm kühles Getränk, nicht eiskalt, ist die goldene Mitte.

Alkohol erzeugt innere Hitze und sollte bei ohnehin schon heißem Klima und empfindlichem Herz-Qi ebenfalls mit Maß genossen werden. Das gleiche gilt für Kaffee, der zwar bitter, aber wie schon gesagt, thermisch sehr warm ist. Leider ist auch das im Sommer so beliebte Grillen mit Vorsicht zu genießen. Besonders gegrilltes rotes Fleisch wirkt stark erhitzend. Du kannst es durch eine milde Tomatensoße oder einen Yoghurt-Dipp etwas ausgleichen. Und auch gegrilltes Gemüse sorgt hier für etwas Balance.

Eine kleine Sommer-Idee für die Küche:

Ein Salat aus Wassermelone, Minze, Rucola, Feta und einem Spritzer Zitrone ist eine Gaumenfreude und vereint aus TCM-Sicht kühlende, befeuchende und leicht bittere Qualitäten, die dem Herz-Qi im Sommer guttun. Du kannst dir auch Suppen aus kühlenden Gemüsesorten zubereiten, zB aus Tomaten oder Zucchini. Auch Obstmus passt gut. So baust du Körpersäfte wieder auf, die durch das Schwitzen verloren gegangen sind.

Yang Sheng im Sommer: Lebenspflege für das Feuer

Yang Sheng bedeutet wörtlich „das Leben nähren“ und ist das TCM-Konzept der Lebenspflege. Das ist eine Kunst, die weit über Ernährung hinausgeht und die sich der Frage widmet: Wie lebe ich so, dass ich langfristig in Gesundheit und Einklang mit mir und der Natur bin?

Im Sommer bedeutet Yang Sheng vor allem: mit dem Yang mitgehen ohne sich zu verausgaben.

Früh aufstehen, spät schlafen und trotzdem genug ruhen
Die Nächte sind kurz und das passt zur Feuerenergie. Der Sommer lädt ein, das Tageslicht voll auszuschöpfen. Und trotzdem: Qualitätsvollen Schlaf zu schützen ist essenziell für den Shen. Eine kühle, ruhige Schlafumgebung, kein Bildschirm unmittelbar vor dem Einschlafen und der Punkt Shenmen als Abendritual können gute Dienste leisten.

Bewegung in Maßen
Die TCM empfiehlt, körperliche Aktivität in die Morgen- oder Abendstunden zu legen und generell darauf zu achten, es mit dem Sport nicht zu übertreiben. Die Mittagshitze um 12–14 Uhr ist die Zeit des Herzens im Rhytmus der Organuhr. Ein kurzes Mittagsschläfchen oder zumindest Ruhe in dieser Zeit ist traditionell eine wichtige Yang-Sheng-Praxis, die dem Herzen besonders im Sommer sehr gut tut.

Echte Verbindung statt soziale Überreizung
Der Sommer lädt zu Begegnung ein, und das ist wunderschön. Gleichzeitig ist es eine Einladung, ehrlich in sich hinein zu spüren: Was nährt mich wirklich? Welche Begegnungen hinterlassen mich erfrischt und lebendig und welche erschöpfen mich? Feuer braucht Nährmaterial, aber es darf nicht überfeuert werden.

Stille zulassen
Auch inmitten der lebhaften Sommermonate darf und soll die Stille ihren Platz haben. Meditieren in der Kühle des Morgens, ein stilles Sitzen unter einem Baum, Journaling am Abend. All das ist Yang Sheng. Es ist die Pflege des Shen, die verhindert, dass aus Freude und einem nach Außen gerichtet sein letztlich Erschöpfung wird.

Schönheit genießen
Das klingt einfach, ist aber oft unterschätzt. In der TCM nährt das Schöne das Herz. Blumen, Sonnenuntergänge, Musik, die bewegt, ein Buch, das berührt. Schönheit ist Herznahrung.

Schwitzen dürfen ohne zu übertreiben
Leichtes Schwitzen im Sommer ist gesund und natürlich. Exzessives Schwitzen, das Erschöpfung nach sich zieht, zehrt hingegen am Herzblut. Wer stark schwitzt, sollte auf ausreichend Flüssigkeit achten und auf salzige, mineralreiche Lebensmittel zurückgreifen, um die Körperflüssigkeiten zu ergänzen.

Zusammenfassung: das Feuer und die Geschenke des Sommers

Das Element Feuer und seine Jahreszeit, der Sommer, schenken uns eine unverwechselbare Einladung: Sei da und strahle. Verbinde dich. Genieße die Fülle des Lebens. Unterschätze diese kleinen aber feinen Anregungen nicht, denn sie kommen aus der tiefen Weisheit einer Tradition, die verstanden hat, dass der Mensch von Beziehung und Wärme lebt, von echter Begegnung, von Herzverbindung, von Momenten, in denen das Leben sich prall und voll anfühlt. All das können wir im Sommer tanken, in uns aufsaugen, und das ist gut so, denn auch die Zeit des Winters wird wieder kommen 😉

Durch die TCM-Brille betrachtet geht es im SOMMER vor allem darum, zu Genießen, Spaß zu haben und gesellig zu sein. Die Ernährung kann uns dabei unterstützung nicht zu überhitzen, sondern den Körper ausreichend zu kühlen ohne dabei die Mitte zu schwächen. Auch psychisch geht es darum Überhitzen auszugleichen, indem wir bei all der Aktivität für genügend Rückzugsmöglichkeiten und Ruhepausen zu sorgen.

Das Feuer lehrt und die Kunst des rechten Maßes: Zu viel Feuer verbrennt alles, was ihm zu nahe kommt. Der Shen braucht Ruhe. Das Herz braucht Nahrung durch Stille ebenso wie durch Austausch und Verbindung. Yang Sheng im Sommer ist die Kunst, diese Balance zu pflegen: präsent, lebendig und verbunden zu sein UND dabei gleichzeitig den Kontakt zu uns selbst soweit aufrechtzuerhalten, dass wir uns nicht im Außen verlieren, sondern bei uns bleiben.

Wenn du die Impulse aus diesem Beitrag integrieren möchtest, dann vielleicht mit diesen Reflexionsfragen für dein Journal:

  • Wo spüre ich Fülle in meinem Leben?
  • Welche Verbindungen nähren mein Herz ?
  • Wo neige ich dazu, mein Feuer überzustrapazieren indem ich mich zu sehr verausgabe und überall dabei sein will?
  • Was gibt mir Freude?
  • Was nährt meinen Geist?
  • Was unterstützt mich dabei, zur Ruhe zu kommen?

Ausblick auf das nächste Element: die Erde

Nach dem großen Yang des Sommers begleitet uns das Element Erde im August durch die Dojo-Zeit des Spätsommers. Das Erdelement, dass sonst die anderen Elemente miteinander verbindet und die Übergänge bereitet, kommt im Spätsommer ins eigene Element nach Hause. Wie alle Dojo-Zeiten lädt uns diese Phase lädt ganz besonders dazu ein, innezuhalten, das Erlebte zu verdauen und zu integrieren. Was hat der Sommer dir gebracht? Was hast du gelernt, gespürt, erlebt? Die Erde als nährendes verbindendes Zwischenelement nimmt all das auf, verdaut es und bereitet so den Boden für das, was folgt. Und das wird der Herbst sein. Im nächsten Beitrag dieser Reihe widmen wir uns daher ganz der Erde. Es ist ein Element, das in unserer modernen, getriebenen Welt vielleicht ganz besonders gefragt ist: als Ort der Erdung, der Selbstfürsorge und des tiefen Vertrauens in die eigene Mitte.

Ich freue mich, wenn du dabei bist. Bis dahin wünsche ich dir von Herzen genussvolle Sommertage!

Dieser Beitrag ist Teil der Blogreihe „Mit den 5 Elementen durchs Jahr“. Die Reihe beginnt mit dem Überblick über die 5 Elemente und dem TCM Jahreskreis.


Hinweis: Alle Inhalte in diesem Beitrag dienen der allgemeinen Information und ersetzen keine medizinische Beratung oder Behandlung. Bei gesundheitlichen Beschwerden wende dich bitte an eine Ärztin, einen Arzt oder eine qualifizierte TCM-Therapeutin.


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