Mein Wertehaus im Detail – das Fundament: Bewusstsein

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Wenn du eine Sache mit tiefem Bewusstsein berührst, berührst du alles – Laotse

Am Anfang steht für mich das Bewusstsein. Es ist das Fundament meines Wertehauses – die tragende Basis, auf der alles andere aufbaut. Ein Großteil unserer Gedanken, Entscheidungen und Verhaltensweisen läuft unbewusst ab. Manche Studien sprechen hier von bis zu 90%. Was wir unbewusst denken und fühlen, das beeinflusst und steuert, wie wir entscheiden und konkret handeln. Erst durch bewusste Selbsterforschung wird Veränderung möglich, und zwar nachhaltig und tragfähig. Ohne Selbsterkenntnis keine Freiheit!

Deshalb ist Bewusstsein für mich das Fundament, auf dem nicht nur die anderen Werte, sondern das ganze Dasein fußen. Das ist ganz ähnlich, wie bei dem Fundament eines Hauses. Und je ausgeprägter dieses Fundament ist, je stabiler es mit allem verbunden ist, desto sicherer steht das gesamte Gebäude.

Zwei Ebenen, die sich gegenseitig nähren

Wenn ich von Bewusstsein spreche, meine ich zweierlei. Zum einen meine ich das übergeordnete Bewusstsein: die alles durchdringende Kraft des Seins. Und zum anderen meine ich Bewusstheit: die gelebte, verkörperte Präsenz im Alltag. Diese Unterscheidung ist mir wichtig, denn beides wird im Alltag teilweise synonym verwendet. Von mir manchmal auch 😉 Der Grad dazwischen ist ja auch wirklich sehr schmal. Beides steht in enger Verbindung miteinander und nährt sich gegenseitig.

Bewusstsein – die alles durchdringende Kraft des Seins

Bewusstsein ist nicht „etwas“, das man besitzt oder erlangt. Es ist eine Ebene, die immer da ist, auch wenn an der Oberfläche noch so viel Veränderung stattfindet. Auf gewisse Weise ist es Quelle, Hintergrund und Ziel zugleich. Es ist wie eine Dimension, die allem zugrundeliegt und die in der tiefsten Tiefe alles durchdringt und miteinander verwebt. Bewusstsein ist wie ein stiller, weiter Raum, der alles umfasst: Gedanken, Gefühle, Erfahrungen, Körperempfindungen. Es ist ein Zustand des Gewahrseins. Je mehr ich in Kontakt damit bin, desto klarer erkenne ich, was im Hier und Jetzt DA IST. Und ich erkenne auch, wer ich wirklich bin, jenseits von Rollen, Mustern und äußeren Zuschreibungen.

Bewusstheit – gelebte, verkörperte Präsenz im Alltag

Bewusstheit hingegen ist die gelebte, verkörperte andere Seite der selben Medaille. Ich verstehe Bewusstheit als eine spezielle Form von Wachheit im Sein. Präsenz im Hier und Jetzt. Es ist wie ein Innehalten, spüren, klar sehen, eben WACH sein für das, was ist. Wach sein für das, was sich in mir und um mich herum zeigt. Bewusstheit ist die konkrete Fähigkeit, im Moment präsent zu sein: im eigenen Körper, mit den eigenen Gefühlen, Empfindungen, Wahrnehmungen, Stimmungen, Gedanken, Prägungen, Mustern und Impulsen. Es ist das Licht, das sichtbar macht, was unter der Oberfläche wirkt. Bewusstheit heißt für mich: wahrnehmen ohne sofort zu reagieren oder zu bewerten. Und genau dort, in dieser bewussten Wahrnehmung, in dieser Präsenz, entsteht der Raum zwischen Reiz und Reaktion. In diesem Raum liegt die Möglichkeit, klar zu erkennen und bewusst zu wählen, anstatt automatisch zu reagieren.

Bewusstheit ist kein einmal erreichter Zustand, sondern ein steter und lebendiger Tanz mit dem, was da ist. Je mehr ich übe, präsent zu sein, desto feiner wird meine Wahrnehmung. Und je feiner meine Wahrnehmung wird, desto bewusster kann ich sein. Auf diesem Wege lernen wir, unsere Muster zu erkennen, Bedürfnisse zu spüren, Grenzen wahrzunehmen und unser Leben aus größerer Klarheit und Freiheit heraus zu gestalten.

Selbst-Bewusstsein – sich selbst wirklich kennen

Wenn ich von Selbstbewusstsein spreche, meine ich nicht Selbstinszenierung, lautstarkes Auftreten oder Arroganz, sondern Selbsterkenntnis. Es geht buchstäblich darum, sich seiner selbst bewusst zu sein. Und damit einhergehend die Bereitschaft, sich selbst ehrlich, differenziert und liebevoll anzuschauen um die eigene Energie, die eigenen Gedanken, Gefühle und Muster wirklich kennenzulernen. Sich selbst zu kennen bedeutet, sich sowohl der eigenen Stärken als auch der eigenen Begrenzungen bewusst zu sein, anstatt sie zu verdrängen.

Genau das ist es, was Yoga und Meditation und auch Coaching für mich so wertvoll macht. Dort spielt dieser Aspekt eine zentrale Rolle. Durch beständige Praxis, achtsames Beobachten und Verfeinerung der Wahrnehmung können wir lernen und kultivieren unser Innenleben zu studieren. Dabei geht es nicht darum, sich zu kritisieren oder in irgendeiner Form zu bewerten. Vielmehr geht es darum, mit sich selbst vertraut zu werden und die Fähigkeit zu entwickeln, innere Prozesse differenziert wahrzunehmen. So entsteht ein lebendiges, tiefes Selbstbewusstsein, das nicht auf äußeren Maßstäben beruht, sondern auf echter, innerer Selbsterkenntnis.

Der Körper als Resonanzraum

Das Kultivieren von Bewusstheit ist für mich kein lineares Projekt mit Anfang, Mitte und Ende. Ich verstehe es als einen fortwährenden, lebendigen Prozess, den ich wie einen Spiralweg sehe, der seine Kreise zieht und dabei mit jeder Runde mehr und mehr in die Tiefe führt.

Bewusstsein ist keine rein geistige Angelegenheit. Ganz im Gegenteil! Wir haben heute Zugang zu mehr Informationen als je zuvor in der Menschheitsgeschichte. Unsere Köpfe arbeiten auf Hochtouren. Dabei ist der Weg zu mehr Klarheit und innerer Ausrichtung selten der Weg durch mehr Wissen, sondern durch mehr Verbindung: mit dem eigenen Körper, und darüber mit sich selbst. Unser Körper ist kein bloßes Transportmittel für den Kopf. Er ist ein Resonanzraum für Präsenz, für innere Wahrheiten. Und er ist ein zentrales Vehikel auf dem Weg zu mehr Bewusstheit.

In einer Welt, die voller Reize, Informationen und Meinungen ist, braucht es Mut und Entschlossenheit, nach innen zu lauschen und die eigene Wahrheit zu spüren und sie von dem zu unterscheiden, was uns von außen übergestülpt wird, was uns eingeredet, anerzogen oder sonstwie eingetrichtert wird. Wenn wir lernen, wieder bewusster mit unserem Körper verbunden zu sein, wird er sowohl zu einem sicheren Anker als auch zu einem verlässlichen Kompass in einer lauten und chaotischen Welt. Wir nehmen feiner wahr, was uns stärkt, was uns schwächt, was stimmig ist und was nicht. Wir entwickeln bewusst-sein, Bewusstheit im Sein.

Natürlich ist es viel einfacher, sich abzulenken, weiter zu funktionieren und in vertrauten Mustern zu verharren. Wer nicht bewusst hinschaut und hinspürt, entfernt sich von sich selbst. Und dann entscheiden andere über dein Leben oder schlicht die Umstände. Deshalb ist das Kultivieren von Körperbewusstsein für mich kein Wellness-Extra oder irgendein nice to have, sondern echte Selbstfürsorge. Es ist eine der wichtigsten Ressoucen überhaupt und ein Akt der Selbstbestimmung und inneren Freiheit.

Warum Bewusstsein das Fundament ist

Das eigene Bewusstsein zu kultivieren und zu schärfen ist für mich die Basis, sowohl in meinem persönlichen Leben als auch in meiner Arbeit. Von hier aus baut sich alles Weitere auf. Besonders in Zeiten des Umbruchs und des Wandels, schenkt es uns Orientierung im Leben, Klarheit für Entscheidungen und zudem auch Tiefe in der Begegnung mit uns selbst und anderen. Aus Bewusstsein entsteht Bewusstheit. Aus Bewusstheit wächst Selbstbewusstsein. Und auf der Basis von gelebtem Selbstbewusstsein wird gesunde (Weiter)Entwicklung möglich. Das gilt ebenso in kleinen Dingen des Alltags wie auch in den großen Wendepunkten des Lebens. Und es gilt ebenso persönlich, wie zwischenmenschlich als auch kollektiv. Je stabiler dieses Fundament ist, desto tragfähiger wird natürlich nicht nur mein Wertehaus, sondern auch das Leben und der Alltag an sich. Deshalb ist Bewusstsein mein erster und wichtigster Wert.

Bewusstheit als Grundlage meiner Arbeit

Bewusstsein ist die Basis, denn ohne die darauf fußende Bewusstheit können wir nicht erkennen, was uns bewegt. Wir können nicht spüren, was wir wirklich brauchen. Und wir können keine stimmigen Entscheidungen treffen. Bewusstheit ist für mich der Schlüssel, der Veränderung überhaupt möglich macht. Bewusstheit ist das Fundament innerer Entwicklung und zentraler Aspekt auf jedem Weg der Weiterentwicklung. Denn nur das, was uns bewusst ist, was wir bewusst wahrnehmen – unsere Gedanken, Gefühle, Körperempfindungen und Muster – mit dem können wir präsent sein, das können wir beobachten, annehmen und verändern. Wir können wählen, anstatt automatisch zu reagieren.

Im Yoga nennen wir das Svādhyāya: die Selbsterforschung. Neben der reflektierten Auseinandersetzen mit Lehren/Texten, die dich an Wahrheit und Freiheit erinnern, beschreibt Svādhyāya vor allem auch eine Praxis, sich selbst mit Bewusstheit zu studieren, statt automatisch aus Gewohnheit zu reagieren und zu handeln. So unterstützt uns Svādhyāya dabei, Avidyā (Nicht-Erkennen / Verblendung) zu durchdringen, also die Verwechslung von deinem wahren Selbst mit deinen Mustern, Rollen und Gedanken.

Bewusstheit bringt demnach Licht ins Unbewusste, eröffnet ein tieferes Gewahrsein des eigenen Seins und ein größeres Verständnis der Wechselwirkungen mit der Welt. Es lässt uns erkennen: Wer bin ich wirklich, was bewegt mich, was steuert mich, was brauche ich, was trage ich bei?

Deshalb ist Bewusstheit für mich nicht nur ein zentraler Aspekt in meinem persönlichen Leben, sondern auch in meiner Arbeit. Ich will Bewusstsein schaffen. Mir ist es ein Anliegen, Menschen dabei zu unterstützen, bewusster zu werden: für sich selbst, ihre Bedürfnisse, ihre Prägungen, ihre Möglichkeiten. Vor allem will ich Menschen daran erinnern und darin bestärken, dass ihre Wahrnehmung nicht nur ein wie auch immer gearteter Zustand ist, sondern ein Werkzeug! Im Rahmen meiner Angebote eröffne ich Räume, in denen du dich selbst wieder wahrnehmen und spüren kannst – über deinen Körper, über dein Sein – in denen du lauschen kannst, statt zu leisten und in denen du spielerisch erkunden, erforschen und entdecken kannst, was in dir vor sich geht, was dich bewegt und was deine Wahrheit ist im Hier und Jetzt und im Leben.

Im nächsten Beitrag aus dieser 5teiligen Reihe, nehme ich dich mit in den ersten von drei zentralen Räumen meines Wertehauses: Authentizität – die Kraft, wahrhaftig zu sein.


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